Prävention

Derzeit gilt die Prävention (Vorbeugung) der Adipositas als ein wichtiges Ziel im Gesundheitswesen, Angebote zur Prävention und Behandlung der Adipositas sind allerdings nicht hinreichend vorhanden. Präventive Ansätze zielen im Allgemeinen auf eine Gewichtsstabilisierung ab. Bei Behandlungsansätzen hingegen stehen die Gewichtsreduktion und die Erhaltung des reduzierten Gewichts im Vordergrund.

Präventionsprogramme werden meist mit Kindern und Jugendlichen durchgeführt. Sie bestehen im Allgemeinen sowohl aus Psychoedukation (Information) zu Ernährung und Bewegung als auch aus Veränderungen in der Ernährungs- und Bewegungsumwelt (z. B. durch Verbesserung der schulischen Verpflegung oder durch aktive Schulpausen). Dabei folgen die meisten Programme einer primärpräventiven Strategie, welche das Auftreten einer Adipositas verhindern soll.

Allerdings liegen international im Bereich der primären Prävention der Adipositas bei Kindern und Jugendlichen nur wenige langfristige, evidenzbasierte (d. h. auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhende) Präventionsprogramme vor (Waters et al., 2011). Außerdem konnten nur wenige Wirksamkeitsstudien einen Einfluss auf den BMI nachweisen, was darauf zurückzuführen sein kann, dass Präventionsprogramme langfristige Veränderungen des individuellen Ernährungs- und Bewegungsverhaltens nicht hinreichend unterstützen. Trotz allgemein geringer Effektivität in Bezug auf den BMI dokumentierten einige Präventionsstudien jedoch Verbesserungen in den Einstellungen (z. B. ein erhöhtes Selbstwertgefühl) und im selbstberichteten Verhalten (z. B. ein verringerter Fernsehkonsum). Schließlich wurden zahlreiche Präventionsstudien aufgrund methodischer Probleme kritisiert, wie z. B. hinsichtlich der Power (Aussagekraft der statistischen Tests), des Designs (Gestaltung der Studie) und der Evaluationsinstrumente (Messverfahren, z. B. Fragebogen zur Bewertung der Prävention). In zukünftigen Präventionsansätzen ist es von besonderer Wichtigkeit, vor allem soziale und andere Umwelteinflüsse auf das Körpergewicht verstärkt zu berücksichtigen. Dabei sollten im Rahmen von selektiver Prävention besonders Risikogruppen für die Adipositas (z. B. Kinder aus sozial schwachen Familien) angesprochen werden.