Risikofaktoren

Ätiologisch (die Ursachen betreffend) ist die Adipositas eine komplexe, multifaktorielle Störung, die aus einem Zusammenwirken verschiedener genetischer Faktoren, Umwelt- und Verhaltensfaktoren resultiert. Während bislang wenige monogene Formen der Adipositas identifiziert wurden (z. B. Mutation in einem einzelnen Gen), wird in den meisten Fällen von einer polygenen Vererbung ausgegangen (Beteiligung mehrerer Gene). Formalgenetische Studien (d. h. Zwillings-, Adoptions- und Familienstudien) zeigen Erblichkeitsschätzungen für das Körpergewicht durchschnittlich von 30-70%. Jedoch gilt die obesogene, d. h. die Entstehung von Adipositas fördernde, Umwelt in den westlichen Industrienationen, die unter anderem durch steigende Portionsgrößen, vermehrte Vermarktungsstrategien für Nahrungsmittel, passive Transportstrukturen oder eine erhöhte Verfügbarkeit von Unterhaltungsmedien gekennzeichnet ist, als die treibende Kraft hinter den steigenden Prävalenzraten der Adipositas.

Ursächliches Prinzip der Adipositas ist eine langfristig positive Energiebilanz. Hierbei überschreitet die Energieaufnahme den Energieverbrauch dauerhaft. Allerdings sind die Belege dafür, dass Energieaufnahme und –verbrauch als Ursache von Adipositas angesehen werden können – vorwiegend aus methodischen Gründen – bislang nicht konsistent. Ein relativ gut bestätigter Risikofaktor der Adipositas hingegen ist ein erhöhter Fernsehkonsum im Kindes- und Jugendalter. Darüber hinaus entwickelt sich die Adipositas entlang eines sozialen Gradienten. Demnach haben Personen mit niedrigem sozioökomischen Status ein erhöhtes Adipositasrisiko. Als Risikofaktoren für Adipositas sind neben biologischen Faktoren, wie z. B. einem geringen Geburtsgewicht, auch psychopathologische Faktoren wie Stigmatisierungserfahrungen (z. B. gewichtsbezogene Hänseleien), depressive Symptome und Essanfälle identifiziert worden (vgl. Herpertz, de Zwaan & Zipfel, 2008).