Verbreitung

In einer bevölkerungsrepräsentativen Umfrage, bei der den Befragten bestimmte Stereotypen (wie z. B. „Dicke haben keine Willensstärke“) vorgelegt wurden, stimmten 23% zu, wohingegen nur 21% sie entschieden ablehnten. Weitere 55% waren unentschieden, was auf latente Stigmatisierung hindeuten kann (Hilbert et al., 2008). Lehnen Menschen solche Stereotypen nicht eindeutig ab, kann dies anzeigen, dass Vorurteile dann zum Tragen kommen, wenn sie gerechtfertigt und angemessen erscheinen: Beispielsweise wenn ein übergewichtiges Kind von einem Mitschüler gehänselt wird und die anderen, die dies normalerweise nicht tun, mitmachen.

Stigmatisierende Einstellungen variieren nach Alter, Geschlecht, Ethnizität und Erhebungszeitpunkt (Puhl & Latner, 2007; Puhl & Heuer, 2009).

Alter

Ältere Erwachsene zeigen stärkere stigmatisierende Einstellungen als jüngere Erwachsene. Ein Vergleich des Erwachsenen- und Kindesalters zeigte, dass Kinder weniger stigmatisierende Einstellungen hegen als Erwachsene. Gewichtsbezogene Vorurteile formen sich jedoch schon sehr früh. Bereits im Alter von acht Jahren konnten bei Kindern stigmatisierende Einstellungen nachgewiesen werden. Über das Jugendalter hinweg bis zum Erwachsenenalter nehmen gewichtsbezogene Vorurteile zu.

Geschlecht

Mädchen stigmatisieren adipöse Menschen mehr als Jungen. Im Erwachsenenalter kehrt sich dieses Verhältnis allerdings um: Männer zeigen häufig mehr gewichtsbezogene Vorurteile als Frauen.

Ethnizität

Kinder verschiedener Ethnizitäten unterscheiden sich nicht in stigmatisierenden Einstellungen. Bei Erwachsenen hingegen zeigten Weiße Amerikaner verglichen mit anderen Ethnizitäten (z. B. Afro-Amerikanern oder Menschen asiatischer Herkunft) vermehrte stigmatisierender Einstellungen.

Zeitverlauf

Stigmatisierung hat über die letzten Jahre und Jahrzehnte hinweg stetig zugenommen. Allein in den USA stieg die Prävalenz gewichtsbezogener Diskriminierung in den letzten zehn Jahren um 66%. Auch scheint sich Stigmatisierung im Laufe der Jahre auf immer mehr Bereiche des täglichen Lebens ausgedehnt zu haben. Besonders verbreitet ist das Adipositasstigma aktuell in Bildungseinrichtungen, am Arbeitsplatz, im Gesundheitswesen und in interpersonellen Beziehungen.